kontakt | kartenreservierung | forum | jobs | tauschbörse
home votings bilder events
« September »
mo di mi do fr sa so
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30      
link news
interviews
link reportagen

Fettes Brot - Alias Dr.Sommer

Das deutsche Rap-Trio hat ein neues Album und dazu gleich ein paar gute Ratschläge – für den Umgang mit Sexualität, Spinettmusik und schlechten Rappern. Das megascene-Interview x
Das deutsche Rap-Trio hat ein neues Album und dazu gleich ein paar gute Ratschläge – für den Umgang mit Sexualität, Spinettmusik und schlechten Rappern. Das megascene-Interview...

„Strom und Drang“ – so heißt die neue Platte von Fettes Brot, und darin rechnen sie mit der schrillen Werbewelt und ihren nackten Körpern ab (Song-Beispiel: „Bettina, zieh dir bitte etwas an“). Im Interview erzählte uns Björn Beton aber nicht nur, wie man sich gegen derartige Gehirnwäsche wehrt, sondern auch, was der Gesundheit sonst noch so schaden kann.

megascene: Würdest du sagen, dass Werbung und Medien in ihrer jetzigen Form schon fast gesundheitsschädigend sind?
Björn Beton: Gesundheitsschädigend weiß ich nicht, aber es geht mir auf die Nerven und ich verstehe es nicht, es belästigt mich. Weil es mit meiner Vorstellung von Sexualität und Erotik nichts mehr zu tun hat, und ich fühle mich davon eher belästigt. Nichts gegen schöne Frauen und nichts gegen schöne nackte Frauen, aber ich finde das schöner, zu Hause zu zelebrieren als an jeder Litfasssäule.

megascene: Hast du selbst noch nie was völlig Unnötiges nur wegen der Werbung gekauft?
Björn Beton: Doch klar, es wäre ja naiv zu glauben, man ist nicht beeinflussbar durch die Werbung. Ich zum Beispiel bin ein großer Freund von neuen Produkten. Ich gehe oft in den Supermarkt und kauf mir Sachen nur, weil sie neu sind. Egal ob sie mir schmecken oder nicht, ich muss sie einfach ausprobieren, das ist die Neugier. Ich glaube schon, dass alle Leute sehr beeinflussbar sind, und natürlich ich auch.
Und ich möchte an dieser Stelle auch Werbung machen für unser neues Album „Strom und Drang“, das kann man sich jetzt kaufen und vielleicht wird dadurch nun auch jemand beeinflusst.

megascene: Was kannst du Jugendlichen raten, die mit all diesen übertriebenen Bildern von Sexualität aufwachsen? Wie findet man da zu sich selbst, seinem eigenen Stil?
Björn Beton: Toll, Fettes Brot als Sex-Ratgeber in der Zeitschrift, als Dr. Sommer...

megascene: Warum nicht ...
Björn Beton: Ne, das gefällt mir gut, das könnte ein neues Aufgabenfeld für uns sein. Ich mach das gerne. Es ist wichtig, wenn es darum geht, selbst Sexualität zu entdecken, sich von irgendwelchen Bildern aus Fernsehen, Handys, Zeitschriften, Internet zu lösen. Um sich selbst wohl zu fühlen, auch mit seiner Unsicherheit. Natürlich ist nicht jeder so wunderschön wie die Models, die man im Fernsehen sieht, und jeder hat seine Ängste und sucht nach Vertrauen gegenüber anderen. Aber das muss man eben lernen zu kommunizieren. Ich glaube, wenn man sich einfach mal freimacht von diesen gelernten Verhaltensmustern, wie Sexualität angeblich sein soll, dann ist schon mal ein großer Schritt getan, das muss man einfach ausblenden: Das ist hier echtes Leben und kein Hollywood, und es riecht nach Schweiß und es schmeckt und es ist was ganz anderes als das, was man im Fernsehen sieht.

megascene: Gerade als Jugendlicher definiert man sich stark über Musik. Wie war das bei dir? War Musik für dich auch eine Art Therapie?
Björn Beton: Ja klar, jede Menge Musik. Das ist ja das Gute an Musik, dass sie Gefühle auslösen kann. Und es gab schon Musik, die mir Kraft gegeben hat, wenn’s mir schlecht ging, oder eine Verbundenheit mit meinen Freunden herstellt. Da gibt’s viel Rap-Musik, die mir ne Menge bedeutet, Bands wie „Public Enemy“. Aber auch andere Künstler wie Bob Marley, ich finde der hat eine charismatische Kraft und kann sehr viel an Gefühlen lostreten.

megascene: Was war das Unvernünftigste für deine Gesundheit, das du selbst je gemacht hast?
Björn Beton: Ich hab auf dem FM4-Geburtstagsfest Whiskey aus Weingläsern getrunken so als wäre es Wein, das war nicht gut.

megascene: Das war wirklich das Schlimmste?
Björn Beton: Das weiß ich nicht, aber es war das letzte Schlimmste, die anderen Sachen habe ich einfach wieder verdrängt, ehrlich gesagt.

megascene: Ihr seid jetzt alle Mitte 30 – könnt ihr euch da bei den Konzerten immer noch so verausgaben wie früher?
Björn Beton: Auf jeden Fall. Wir sind nicht vom Jugendlichen zum Rentner geworden, das kann man nicht sagen.

megascene: Ihr tretet oft bei Festivals auf. Ist das eine besondere Herausforderung?
Björn Beton: Ja klar. Bei den normalen Konzerten kommen die Leute ja nur, weil sie Fettes Brot sehen wollen. Aber bei Festivals spielen auch andere Bands, und da muss man die Leute überzeugen, dass man ne gute Live-Band ist. Und da freut es mich immer, wenn dann Leute nach dem Konzert zu uns kommen und sagen: ´Ich hab euch noch nie live gesehen und bin eigentlich nicht so ein großer Fan von euch, aber was ihr heute gemacht habt, war toll.´ Und das macht mich natürlich froh, wenn wir Leute überzeugen können, dass es Spaß macht, bei uns am Konzert zu sein.

megascene: Um wieder zur Gesundheit zu kommen: Wie stehst du zu Ohrenstöpseln auf Konzerten – findest du das vernünftig oder braucht es die volle Lautstärke für das richtige Feeling?
Björn Beton: Ich weiß nicht, das muss man von Fall zu Fall entscheiden. Ich hab erst mal nichts dagegen, wenn Leute Ohrenstöpsel auf Konzerte mitnehmen, das ist auf jeden Fall besser, als die Lautstärke runter zu regeln. Ich finde zu einem richtigen Konzert, egal welche Musikrichtung, gehört eine gewisse Lautstärke, die natürlich auch gefährlich sein kann. Aber da kann man sich ja schützen, wer das eben möchte. Es gibt bestimmt Momente, wo ich auch Ohrenstöpsel benutze, etwa in Clubs, und dann wieder welche wo ich sage: ´Ach scheiß der Hund drauf, heute ist Alarm angesagt` und da nehme ich sie raus, damit da ein gewisser Kick dahinter ist.

megascene: Abschlussfrage: Ist der Konsum von Fettes Brot gesund?
Björn Beton: Wenn man unsere Band genießt ist das auf jeden Fall gesund, es passieren verschiedene Abläufe, auch sexueller Natur, oder aber auch geistiger Natur: Man kommt auf den einen oder anderen guten Gedanken, etwa sich gegenseitig auszuziehen oder aber den Hintern zu bewegen, da steckt ne Menge gesunder Sachen drin.

megascene: Gibt’s auch Musik, die dir Unwohlsein bereitet?
Björn Beton: So komische Spinettmusik, von vor so mehreren hundert Jahren, 16. Jahrhundert oder so, damit kann ich nichts anfangen. Ich find den Sound von ‚nem Spinett meistens ekelhaft. Ansonsten hör ich mir das schon alles mal an.

Datum: 1.7.2008
 
 
 
 
weiter